DAS ENDE DES REGENS von Andrew Bovell

Ein junger Mann aus London macht sich auf die Suche nach seinem Vater, der ihn und seine Mutter mit unbekanntem Ziel verließ, als der junge Mann noch ein kleiner Junge war. Wenige Erinnerungen an den Vater sind ihm geblieben. Ein paar Postkarten, die dieser nach seinem Fortgang geschickt hat, gibt es noch. Ein Zeitungsausschnitt liegt seit Jahren in einem Briefmarkenalbum. Seine Mutter schweigt, wenn ihr Sohn etwas über seine Kindheit wissen möchte. Nach Australien geht die Reise, auf die sich der Sohn macht, weil er Hinweise hat, dass sein Vater dorthin verschwunden ist. Er möchte ihn finden, von ihm Antworten auf Fragen bekommen oder zumindest ein paar Hinweise auf sein Leben entdecken. Doch es ist nicht nur eine Reise von einer Seite der Erde auf die andere. Es ist auch eine Reise durch die Geschichte zweier Familien, die miteinander verbunden sind und in deren Vergangenheit einige Geheimnisse verborgen liegen.

Über vier Generationen, 80 Jahre und die Kontinente hinweg spannt Andrew Bovell den Familien- und Gesellschaftsepos in »Das Ende des Regens«. Von der Vergangenheit aus über die Gegenwart in die Zukunft entfaltet sich die Geschichte, die gleichzeitig Krimi und biografische Erzählung ist. Und wie in einem Puzzle bilden die einzelnen Stationen, Erlebnisse und Begegnungen, aber auch surreale Momente, wiederkehrende Motive und Symbole ein großes Bild, in dem nichts weniger zu sehen ist als eine Kulturgeschichte der Vorstellungen von Familien, in der Liebe, Verlust, Verleugnung, Schuld und Geborgenheit nebeneinander existieren.

Bühne Damian Hitz, Kostüme Eva Krämer, Musik Patrik Zeller, Licht Michael Lebensieg, Dramaturgie Sonja Bachmann

Gabriel York Florian Eppinger, Gabriel Law Benedikt Kauff, Elisabeth Law (älter) Angelika Fornell, Elisabeth Law (jünger) Rebecca Klingenberg, Henry Law Gerd Zinck, Gabrielle York (älter) Gaby Dey, Gabrielle York (jünger) Rahel Weiss, Joe Ryan Paul Wenning, Andrew Price Benjamin Kempf

Premiere 30. April 2015 am Deutschen Theater Göttingen

Fotos von Axel J. Scherer

»Familiengeschichten können ganz schön verwirrend sein. Dieser Eindruck überwiegt zumindest bis zur Pause des Stückes ›Das Ende des Regens‹ von Andrew Bovell, das jetzt am Deutschen Theater Göttingen seine grandiose und mit viel Applaus bedachte Premiere hatte … Spannend wie einen Krimi bauen Ingo Berk (Regie) und Sonja Bachmann (Dramaturgie) das Geschehen auf … Das sehr minimalistisch gehaltene Bühnenbild von Damian Hitz … erlaubt genial ein Raum und Zeit auflösendes und umfassendes Agieren der neun Darsteller … Nach der Pause setzt sich Puzzleteil um Puzzleteil wie wundersam zusammen, die Zusammenhänge und Tragödien beider Familien werden sichtbar … Ein großes Lob an alle Schauspieler, die ihre Rollen in allen Facetten sehr überzeugend und empathisch darstellten.« HNA

»Väter verschwinden ohne zu sagen, warum. Mütter schweigen für den Rest ihres Lebens. Ihre Kinder erfahren einen Zustand des Verlorenseins, der auch ihre Kinder prägt. All das lässt der australische Dramatiker Andrew Bovell über Generationen und Kontinente hinweg geschehen. Auf der Bühne des Deutschen Theaters irrlichtern seine Figuren mit diesem Gefühl, dass da etwas an ihrem Leben nagt, dass sie nicht fassen können. Mit ihnen gerät der Zuschauer in der Inszenierung von Ingo Berk in ein Suchspiel über die zerstörerischen Altlasten zweier Familien und warum sie so unvorstellbar lange nachwirken … Regisseur Ingo Berk macht den mühsamen Weg dahin spürbar, wenn er die Spannung in den Rückblenden nicht forciert und das Ensemble in den einzelnen Episoden einem strengen Rhythmus folgt. Vielleicht kann es auch nur so zu diesen besonderen Momenten kommen, die unmittelbar und abgrundtief bewegen … Selbst wenn es im Deutschen Theater auch immer wieder zu Szenen kommt, die nahe gehen und nachwirken, so sind sie doch rar und deshalb umso kostbarer. Mit ihnen wird Ingo Berks Inszenierung zu einem ganz besonderen Theaterabend.« Kulturbüro Göttingen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.