MITTELSCHICHTBLUES von David Lindsay-Abaire

Margaret, fünfzig, alleinerziehende Mutter einer Tochter mit Behinderung, verliert ihren Job im Ein-Dollar-Shop. Für Fließbandarbeit ist sie zu alt. Doch ansonsten bietet ihr Heimatbezirk South Boston kaum Jobperspektiven. Was also tun, wird in der Freundinnenrunde gemeinsam überlegt. Jean gibt einen Hinweis: Mike hat’s geschafft. Mike, ebenfalls aus Southie, ist Arzt geworden, führt eine Praxis in der Innenstadt, verfügt über ein mutmaßlich finanzkräftiges soziales Netzwerk – und war in Jugendjahren einen Sommer lang Margarets Liebe. Legitimation genug für Margaret, sich zu seiner Geburtstagsparty einzuladen, wo sie nützliche Kontakte zu knüpfen hofft. Mikes Nachricht, dass das Fest abgesagt sei, hält sie lediglich für eine schlecht versteckte Ausladung. Als Margaret in der Villa eintrifft, wo tatsächlich keine Party stattfindet, bitten Mike und seine Frau sie herein, bieten Wein und Käse an, präsentieren sich als höflich-distinguierte Gastgeber – bis sich beim Gespräch über alte Zeiten in Southie die soziale Kluft zwischen ihnen auftut.

Bühne und Kostüme Damian Hitz, Musik Patrik Zeller, Dramaturgie Veronika Maurer

Margaret Walsh Claudia Sabitzer, Dr. Michael Dillon Günter Franzmeier, Jean Martina Spitzer, Dottie Doris Weiner, Kate Nancy Mensah-Offei, Stevie Lukas Watzl

Deutschsprachige Erstaufführung 30. September 2016 am Volkstheater Wien

Fotos von Lupi Spuma

„Flotte Dialoge zwischen Figuren, die gesund egoistisch, manchmal etwas gemein, aber nie unmenschlich sind, erwärmen ohne Tränendrüsendruck die Herzen der Zuschauer. Regisseur Ingo Berk lässt sämtliche Schauspieler zur Hochform auffahren. Vor allem Claudia Sabitzer scheint die Rolle ihres Lebens zu spielen, ihre Mimik offenbart die Nuancen der verzweifelten Energie einer Frau, die ständig kämpfen muss.“ Der Falter, 6. Oktober 2016

„Um soziale Klüfte, den Wert von Leistung, die Last der eigenen Herkunft und den freien Willen, wenn es darum geht, sein Leben zu meistern, dreht sich das Stück des Pulitzer-gekrönten amerikanischen Dramatikers David Lindsay-Abaire. Ingo Berk hat das starke Drama einprägsam inszeniert. Claudia Sabitzer begeistert in der Rolle der prolligen, furchtlosen Margaret, die trotz ihrer prekären Lage ihren Stolz nicht ablegen will, auch nicht, als sie bei ihrer alten Jugendliebe Mike (schön steif: Günter Franzmeier) um einen Job betteln muss. Die zweite Hälfte des Stücks entwickelt sich zum spannenden Kammerspiel, das an Yasmina Rezas „Der Gott des Gemetzels“ erinnert: Da treffen die sozialen Gegensätze mit einer Wucht aufeinander, die alte Wunden aufreißt und neue Blickwinkel preisgibt. Sehenswert.“ Die Presse, 4. Oktober 2016

„Zeitstück, Frauenstück, Rührstück, Kunststück: Die treuen Abonnenten des Volkstheaters in Wiens Außenbezirken dürfen sich auf den „Mittelschichtblues“ („Good People“) des Pulitzerpreisgewinners David Lindsay-Abaire freuen. Claudia Sabitzer füllt in Ingo Berks punktgenauer Regie die Hoffnungslosigkeit einer arbeitslosen Supermarktkassiererin mit praller und brüchiger Vitalität. (…) Sie braucht nur die Augen ganz weit auftun und man weiß: eine gebeutelte, dauerverletzte und auch stolze Seele, leise, laut, lebenswahr, schlichtweg umwerfend.“ Wiener Zeitung, 3. Oktober 2016

„Mit einem überaus soliden Mittelschichtblues gelingt dem Volkstheater am Wochenende – in der Regie von Ingo Berk – ein weiterer respektabler Abend, der nun durch die Bezirke tourt. (…) Dass das Stereotyp der sich aufopfernden Mutter hier kritisch auseinandergenommen wird, dafür steht auch Claudia Sabitzers Spiel ein, die die Bedingungen ihres unfairen Überlebenskampfes sukzessive offenlegt und ihrer Figur eine triumphale Trotzigkeit, ja souveränen Eigensinn verleiht.“ Der Standard, 3. Oktober 2016

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