3.31.93 von Lars Norén

Es sind die dunklen Seiten des Lebens, die der grosse schwedische Dramatiker Lars Norén sucht, um auf die Su­che danach zu gehen, warum wir lieben und leben können. Sein neues Theaterstück, 2013 in Stock­holm uraufgeführt, ist ein Panoptikum unserer Zivilisation. Es ist eine Allegorie unseres Lebenszu­stands, geschrieben mit der zärtlichen Hingabe eines Schriftstellers, der der Ver­gänglichkeit seine Sehnsucht nach Leben entgegenhält. In Kurzszenen zeigt Norén Menschen, die in und mit ihrem Leben kämpfen. Peu à peu erschliessen sich Verbindungen, erkennt man, dass dieser Mann Sohn dieses Paares ist, dass diese Frau umsonst auf ihren Mann wartet, dass jenes Kind doch nicht allein ist

Bühne Damian Hitz, Kostüme Eva Krämer, Musik Patrik Zeller, Licht Hanspeter Liechti, Video Janosch Abel, Dramaturgie Sophie-Thérèse Krempl

Mit Heidi Maria Glössner, Kornelia Lüdorff, Sophie Melbinger, Deleila Piasko, David Berger, Hans-Jörg Frey, Lukas Hupfeld, Jürg Wisbach

Schweizer Erstaufführung 24. September 2016 am Konzert Theater Bern

Fotos von Annette Boutellier

«Dem Regisseur gelingt eine begeisternde Inszenierung, bei der vom Bühnenbild (Damian Hitz) über die düsteren Videosequenzen zwischen den Szenen (Janosch Abel) bis zur schauspielerischen Leistung alles stimmt.» Berner Zeitung, Michael Feller, 26.09.2016

«Noréns Stück ist das Porträt einer Gesellschaft der Vereinzelung. Keine Geborgenheit ist mehr von ihr zu erwarten, nur noch Kummer. (…) Noréns Dialoge sind Schnellschüsse, überstürzt und abgehackt. Weil man auch in Wirklichkeit so redet, kommen sie einem bekannt vor. Und so kommen sich die Figuren in der Inszenierung von Ingo Berk denn auch selten wirklich nahe. (…) Kein Körperkontakt. Überall Distanz.» Der Bund, Lena Rittmeyer, 26.09.2016

«Das Publikum bekommt diese Geworfenheit mit, indem es zuschaut, wie ein Meisterensemble die Realitätssplitter millimetergenau auf die Laufstegbühne bringt, die die räumliche und seelische Distanz der Menschen unterstreicht. Die eine Zuschauerhälfte blickt dabei über die Theaterfiguren hinweg auf die andere Zuschauerhälfte, und so kann niemand im Saal der Tatsache ausweichen, dass den gespielten Unbekannten auf der Bühne mit ihren fiktiven Geschichten die wahren Unbekannten im Zuschauerraum mit ihren realen Geschichten entsprechen. Damit machte die leise und genaue Inszenierung Ingo Berks das Theater zum Spiegel des Lebens.» Stimme-der-Kritik.org, Michel Schaer, 25.09.2016

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