EIN BLICK VON DER BRÜCKE von Arthur Miller

Dass sich die Probleme von Migranten in den letzten 60 Jahren kaum verändert haben, zeigt eindringlich Arthur Millers »Ein Blick von der Brücke«. Eddie Carbone hat sich mit seiner Frau Beatrice und seiner Nichte Catherine im Schatten der Brooklyn Bridge niedergelassen. Als zwei sizilianische Cousins seiner Frau auftauchen, die illegal nach New York gekommen sind, um in Amerika Geld für die hungernde Familie in Italien zu verdienen, gewährt er den beiden Unterschlupf. Doch als einer der beiden jungen Männer sich in Catherine verliebt, übernimmt Eddie allzu offensichtlich die Rolle des Beschützers der jungen Frau, als dass ihm lautere Motive zu unterstellen sind. In seiner Eifersucht versucht er alles, um die beiden zu trennen. Das junge Paar hat keine Chance zur Gegenwehr, denn ohne Papiere ist Rodolfo auf Gedeih und Verderb Eddie ausgeliefert. Miller verknüpft geschickt eine hochdramatische Eifersuchtsgeschichte mit dem Schicksal zweier junger Einwanderer, die mit großen Erwartungen den Weg über den Atlantik angetreten haben und die bittere Erfahrung machen, dass sie als Illegale nicht nur die Behörden fürchten müssen, sondern dass im Grunde schon kleine private Konflikte ausreichen, um ihre fragile Existenz zu zerstören.

Bühne Damian Hitz, Kostüme Lea Nussbaum, Musik Patrik Zeller, Licht Markus Piccio, Dramaturgie Sonja Bachmann

Eddie Carbone Florian Eppinger, Beatrice Andrea Strube, Catherine Marie Seiser, Marco Gerd Zinck, Rodolpho Gabriel von Berlepsch,  Alfieri Paul Wenning, Louis/Beamter Florian Donath

Premiere 30. Dezember 2016 am Deutschen Theater Göttingen

Fotos von Thomas Aurin


»Explosion wie ein Vulkan – Bejubelte Premiere in Göttingen. Einen Abend großer Emotionen hat das Deutsche Theater Göttingen dem Premierenpublikum mit >Ein Blick von der Brücke< geboten. Bravo-Rufe und langen, begeisterten Applaus haben die Zuschauer für die Inszenierung des Regisseurs Ingo Berk gespendet … Die Erzählerfigur des Rechtsanwalts Alfieri bringt Paul Wenning mit der passenden Mischung aus Distanz und Betroffenheit auf die Bühne. Unglaublich echt setzt Marie Seiser die Metamorphose der heranwachsenden Catherine vom kleinen Mädchen zur jungen Frau in Szene. Jedes ihrer Gefühle spiegelt sich in kleinsten Bewegungen ihres Gesichts wieder, ihr Kinn wird zum Seismographen der Verzweiflung … Gerd Zinck lässt den am Anfang beherrscht wirkenden Marco nach einem Angriff auf seine Ehre explodieren wie einen Vulkan. Mit Bravour meistert Florian Eppinger Eddies Weg vom edlen Retter zum Verräter … Einen passenden Rahmen für das Drama hat Bühnenbildner Damian Hitz gefunden.« (Ute Lawrenz, HNA 3.1.17)


»Grenzen der Gastfreundschaft – Arthur Millers Tragödie stark von Ingo Berk am Deutschen Theater inszeniert. Arthur Miller hätte wohl gefallen, was Ingo Berk aus seinem Stück gemacht hat. Ein facettenreiches, spannendes, dichtes Schauspiel … Die acht Schauspieler stellen die Tragödie mit starken Emotionen und überzeugenden Gesten dar, da kommt viel zusammen. Spannend inszeniert, stark dargestellt: Großes Drama.« (Angela Brünjes, Göttinger Tageblatt 3.1.17)


»Die Inszenierung von Ingo Berk überzeugt in alles Belangen. Sie ist eine Reise in die Vergangenheit, ein Statement über die Gegenwart und eine Prognose zur Zukunft zugleich … Paul Wenning als Anwalt Alflieri reduziert in Gestik und Mimik und mit der Stimme immer im grünen Bereich, mit dieser Leistung überzeugt er. Zum abgeklärten Wenning ist Florian Eppinger der belebende Kontrast. Sein Eddie Carbone bringt die innere Anspannung, die Zerrissenheit mehr als überragend auf die Bühne. Sein ganzer Körper steht 1 Stunde 45 unter Strom, in der Figur des Hafenarbeiters liegt jede Menge Körperlichkeit … Andrea Strube in der Rolle der Ehefrau Beatrice gewinnt im Laufe der Vorstellung immer mehr an Präsenz und macht die Wandlung der Figur mit Stimme und Gestik sichtbar … Die Inszenierung von Ingo Berk ist rasant und treibend, doch todtraurig zugleich, sie macht die Kett- und Schussfäden sichtbar, ohne dem Werk etwas von seiner Rasanz zu nehmen. Großen Anteil daran hat das überwältigende Bühnenbild von Damian Hitz.« (Thomas Kügler, Harzkurier 4.1.17)

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