DER BESUCH DER ALTEN DAME von Friedrich Dürrenmatt

Die zu großem Reichtum gekommene Claire Zachanassian kehrt nach langer Zeit im Ausland in ihr Schweizer Heimatstädtchen Güllen zurück, das, wirtschaftlich einst sehr gut bestellt, nun völlig verarmt ist. So liegt es für den Güllener Bürgermeister auf der Hand, den hohen Besuch um Unterstützung zu bitten. Tatsächlich lässt sich Claire auf die Bitte ein und verspricht dem Städtchen die Summe von einer Milliarde – sofern man ihrer Forderung nachkomme, den dorfansässigen Kaufmann Alfred Ill zu töten. Dieser hatte Claire in jungen Jahren mit dem ausserehelich gezeugten Kind sitzen lassen. Claire stürzt mit ihrem unmoralischen Angebot alle Einwohner in ein Dilemma.

Bühne Damian Hitz, Kostüme Karin Jud, Musik Patrik Zeller, Choreographie Salome Schneebeli, Licht Christian Aufderstroth, Dramaturgie Michael Gmaj

Claire Zachanassian Nikola Weisse, Alfred Ill Peter Jecklin, Frau Ill Kornelia Lüdorff, Tochter Ill Marie Popall, Bürgermeister David Berger, Lehrer Arne Lenk, Pfarrer Tobias Krüger, Polizist Gabriel Schneider, Boby Jürg Wisbach

Premiere 3. März 2017 am Konzert Theater Bern

Fotos von Philipp Zinniker

„Nachdem zu Beginn eine Blache gefallen ist, ist es, als würde man im Stadttheater in einen riesigen Spiegel schauen. Denn da verläuft der Zuschauerraum einfach weiter. Alles ist vorhanden: Die Logen, die Türen an den Seiten, die Verzierungen an der Brüstung, sogar eine angebrochene Stuhlreihe ist zu sehen. Während wir aber im frisch renovierten Saal sitzen, blicken wir auf eine Ruine. In den Wänden fehlen ganze Stücke wie nach einem Bombenanschlag, die Farbe blättert ab, die Mauern zerbröseln. (…) Nikola Weisse verleiht ihrer «alten Dame» eine reizende Mädchenhaftigkeit, während Peter Jecklin seinen todgeweihten Alfred Ill subtil, aber glaubhaft sämtliche Befindlichkeitsstadien durchlaufen lässt. (…) Regisseur Berk hat überflüssige Figuren und Pointen rausgestrichen und das Tempo an den richtigen Stellen erhöht. So kommt die alte Dame kurzerhand mit dem Helikopter angeflogen, statt dass sie einen ganzen Zug zum Stillstand bringt. Auch ihre Entourage, bestehend aus einem alten Butler (Jürg Wisbach), zwei stummen Bodyguards und zwei blinden Eunuchen, stiehlt ihr nicht unnötig die Show. Das tut schon die Statisterie, diesmal allerdings im erwünschten Sinn. Zu Ehren des hohen Besuchs zeigt die Truppe in Sportkleidung ein wunderliches Ballett der Martial Arts inklusive Breakdance-Einlage. Das wirkt so schön deplatziert wie eine Milliardärin, die in ein verarmtes Dorf kommt. Und überraschend.“ (Der Bund, 05.03.2017)

„Nikola Weisse nimmt man die so verbitterte wie herrische Claire Zachanassian jederzeit ab. Und Peter Jecklin ist eh klasse. (…) Güllen applaudiert begeistert.“ (Berner Zeitung, 05.03.2017)

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