OLIVER TWIST von Charles Dickens

Oliver Twist begegnen schon in jungen Jahren viele widrige Lebensumstände und so manche abenteuerliche Situation muss gemeistert werden. Durchzuhalten und sich nicht aufzugeben wird zu einer ständigen Herausforderung für ihn. Er bekommt mit eher unangenehmen Zeitgenossen zu tun, findet aber auch warmherzige Freunde und Menschen, die ihn unterstützen oder sich sogar für ihn einsetzen. Da seine bettelarme Mutter bei seiner Geburt starb und der Vater unbekannt ist, verbringt Oliver seine ersten Lebensjahre in einem Waisenhaus, das in Sachen Fürsorge viele Wünsche offen lässt. Noch als Kind wird er zum Arbeiten in die Werkstatt des Leichenbestatters Sowerberry weggegeben, als müsste man ihn schnell loswerden. Vor den erneut unangenehmen Lebensumständen, die keine Verbesserung zu denen im Waisenhaus bedeuten, flieht er nach London. Bei seiner Suche nach einem besseren Leben ist er auf sich allein gestellt, gerät prompt in die Hände von Fagins Diebesbande und damit ins Verbrechermilieu der Metropole. Ein gewisser Monks will verhindern, dass Olivers wahre Herkunft ans Licht kommt. Aber gerade die könnte eine Wendung zum Glück für Oliver bedeuten…

Bühne und Kostüme Eva Krämer, Musik Patrik Zeller, Licht Arndt Rössler, Dramaturgie Ralph Blase

Oliver Twist/Monks Luzian Hirzel, Fagin/Mr. Sowerberry/Mr. Fang/Fischhändler Felix Defèr, Mrs. Maylie/Mrs. Corney Kornelia Lüdorff, Nancy/Charlotte/Buchhändlerin Johanna Köster, Jack Dawkins/Dick/Mr. Blathers David Kopp, Bill Sikes/Mr. Giles/Noah Claypole/Polizist Andreas Gaida

Premiere 28. November 2018 am Vorarlberger Landestheater Bregenz

Fotos von Anja Köhler

„Lebendig, kurzweilig, fantasie-, gefühl- und humorvoll ist Ingo Berks Inszenierung von OLIVER TWIST, die am Mittwoch am Vorarlberger Landestheater in gleich zwei Versionen Premiere feierte. (…) Berk beschönigt nichts, vor allem wohl nicht in der Version für Jugendliche ab zwölf Jahren und Erwachsene, die hier besprochen wird. Abgefedert wird Dickens literarisches Bild des Elends auf den Straßen Londons zum einen durch die Verlagerung in eine Science-fiction-artige Welt. Eva Krämer hat ein raffiniertes und sehr funktionales Bühnenkonstrukt entworfen, das eine dystopische, urbane Szene entstehen lässt. Doch vor allem sind es ein sehr genauer Entwurf der Figuren und das Spiel der sechs Darsteller, die den Zuschauer nicht nur mitfiebern, sondern neben all den düsteren Momenten auch das Gute miterleben lassen. (…) Viele schöne Momente und Bilder ergeben sich in diesem Stück. Schön auch, dass sich die Inszenierung sehr gestrafft und ohne unnötiges Beiwerk zeigt. Die Setzung in eine dystopische Zukunft hat der Geschichte gutgetan. Die Schauspieler bewegen sich gekonnt in dieser Welt – und vermitteln die emotionale Kraft, die diesem Klassiker innewohnt. Ein passendes Stück für Weihnachten.“ (Lisa Kammann, Neue Vorarlberger Tageszeitung, 30.11.2018)

„Ein OLIVER TWIST der Gegenwart. Dass die thematisch schwere Kost rund um den englischen Waisenknaben Oliver Twist auch ein ganz junges Publikum faszinieren kann, zeigt Regisseur Ingo Berk in seiner Inszenierung für Kinder ab sechs Jahren. (…) Der 400 Seiten starke Dickens-Roman wird von Berk für das junge Publikum in rund 70 Minuten zu einem kurzweiligen und emotionalen Theatervergnügen zusammengefasst. (…) Ingo Berk hat die Inszenierung, bei der es freilich ein Happy End gibt, gekonnt in die Gegenwart verlegt. (…) Bühnen- und Kostümbildnerin Eva Krämer entführt das Publikum in fantasievolle und zugleich düstere Science-Fiction-anmutende Welten, bei denen es für die Zuschauer allerlei zu bestaunen gibt. (…) Dass die ernste Geschichte rund um soziale Abgründe und Kriminalität auch für Kinder am Ende gut funktioniert, liegt nicht nur am schönen Bühnenbild, sondern auch an der Prise Witz und Ironie, die Berk dem Stück verliehen hat. Auch das sechsköpfige Ensemble, das in mehr als doppelt so viele Rollen schlüpft, überzeugt auf ganzer Linie.“ (Vorarlberger Nachrichten, 29.11.2018)

„In straffen, prägnant aufs Wesentliche reduzierten Szenen macht Autor und Regisseur Ingo Berk spürbar, was Armut und Verwahrlosung heisst, wozu sie Menschen treiben kann. Und dass es dennoch gute Gründe gibt, anders zu handeln. Sechs Schauspieler in achtzehn Rollen können derweil aus dem Vollen schöpfen, ein weites Spektrum an Facetten zeigen und in flinken Wechseln mehrere Figuren realistisch über die Rampe bringen, ohne Verwechslungsgefahr. Dafür sorgt Ausstatterin Eva Krämer. Ihre Bühne, eine finstere Strassenschlucht mit Neonröhren und aufklappbaren Innenräumen, erlaubt rasche Szenenwechsel, wilde Verfolgungsjagden und schaurige Nachtszenen. Mit wenigen Details holen Text und Ausstattung die Geschichte in die Gegenwart, ohne sie gewaltsam aus Dickens’ Zeit zu reissen. Ein Glücksfall für die Titelrolle ist Luzian Hirzel, mit Anfang dreissig immer noch glaubhaft als Zehnjähriger: naiv, natürlich, gutherzig unter üblen Umständen. Das aber setzt subtiles, überlegtes Spiel und viel Erfahrung voraus. Und steht für Theater, das mehr als Spass und Unterhaltung bietet. Auch zur Weihnachtszeit.“ (Bettina Kugler, St. Galler Tagblatt, 2.12.2018)

„Großartig hat Ingo Berk Dickens´ 1839 erschienenen Roman auf markante Szenen verdichtet, treibt die Handlung mit großem Tempo voran. (…) Eindrücklich und atmosphärisch dicht beschwören Eva Krämers wandelbare Bühne, die Lichtführung von Arndt Rössler und die Musik (Patrik Zeller) die düstere und kalte Welt, in der diese Figuren leben. Mit einer schnellen Drehung der Kulisse taucht so der Zuschauer nach der Waisenhausszene in die grauen Straßenfluchten von London ein. Ebenso einfach wie genial lassen sich hier immer wieder Hauswände aufklappen und bieten so Einblicke in die Wohnungen von Fagin, des Gaunerpärchens Sykes und Nancy oder Mrs Mayle, die sich als Einzige um das Wohl Olivers sorgt und sich für ihn einsetzt. (…) Einen frechen Bruch mit der stets geforderten political correctness kann man darin sehen, Weihnachtsstimmung verbreitet hier aber nur ein einzelner leuchtender Weihnachtsstern, der auch als bissiger Kommentar gelesen werden kann zum Widerspruch zwischen dem allerorts und alljährlich in dieser Zeit beschworenen Frieden und dem gleichzeitig doch weiterhin bestehenden weltweiten Elend mit Ausbeutung und Kinderarbeit.“ (Walter Gasperl, kulturzeitschrift.at, 29.11.2018)

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